Archiv des Autors: olafeu

Vierkanthof einmal anders

Ein Wohnhaus der Jahrhundertwende für zwei Familien und Nebengebäude gruppiert um einen Wirtschaftshof, damals gebaut von einem Kohlenhändler, sollte modernisiert werden. Der Kohlenhandel war lange geschlossen. Der Sohn wollte mit Familie einziehen. Zuerst hatten wir „schöne Architektenpläne“ entworfen, um, zwar respekvoll, aber dennoch etwas Modernität in die Gestaltung des Hauses zu bringen. Begonnen hatte das Ganze mit einer gründlichen Bauaufnahme, also dem Aufmaß und dem Untersuchen aller Wände, Decken und Dächer.

     

Während der Planung und den regelmäßigen Gesprächen mit den Bauherren entwickelten sich die Entwurfsideen immer weiter zurück. Bis der Bauherr einmal sagte „Herr Paproth, jetzt ändern wir die Grundrisse und die Gestaltung des Hauses inzwischen fast gar nicht mehr. Haben Sie als Architekt denn noch Freude am Projekt?“ Natürlich hatte ich, denn genau das, was für den Bauherren das Richtige ist, herauszufinden, das Miteinander mit dem Bauherren, seine Wünsche mit den Möglichkeiten zusammenbringen, also der Prozess des Entwerfens, macht die Freude an der Arbeit. Rein technisches Abarbeiten ist auch schön, aber etwas anderes. Äußerlich hat sich das Haus also nicht verändert. Dafür ist der Denkmalwert gestiegen.

     

Während der Bauaufnahme, beim Abklopfen von tatsächlich jedem einzelnen Balken, haben wir Befall durch den Hausbock gefunden. Es gab vereinzelte Einfluglöcher, die stutzig machten. Er wurde nich chemisch bekämpft, sondern mittels Heißluftverfahren – giftfrei und günstiger. Der zweigeschossige Dachstuhl wurde einen Tag lang so aufgeheizt, bis für eine kurze Zeit in jedem Balken mindestens 55 °C herrschten. Das hält kein Eiweiß, also auch kein Hausbock aus.

     

Gesunde, ökologische Baustoffe gehörten ebenso selbstverständlich zum Konzept, wie eine Solaranlage, Regenwassernutzung und Nisträume für Kleinvögel und Fledermäuse.

 

Ein Pfarrhaus und eine Kirche

Das Pfarrhaus wurde zu Beginn der 1990er Jahre konsequent nach bauökologischen Maßstäben modernisiert. Hier war solides Architektenhandwerk und Know-how von den richtigen Baustoffen und deren konstruktiven und bauphysikalischen Eigenschaften gefordert. Vor knapp dreißig Jahren war das Thema – damals berechtigt – durchaus exotisch. Leider gilt das heute für die meisten Bauvorhaben immer noch – inzwischen unberechtigt. Die Aufgaben waren Werkplanung, Ausschreibung, Vergabe, Bauüberwachung.

  

Für die Kirche waren diverse Instandhaltungsmaßnahmen durchzuführen. Ein besonderes Erlebnis für die Beteiligten war die Entsorgung der Brüstungs- und Treppengeländer aus Asbestzementplatten nachdem sie in Eigenleistung durch Mitglieder der Kirchengemeinde einfach abgebaut worden waren. Doch das sprengt hier den Rahmen.

Die Bilder sind aus 2017.

 

Für ein Künstlerehepaar

Eine Goldschmiedin, ein Goldschmied und Bildhauer, beide auch Ökobauern, mussten von Ihrem gemieteten Hof weg. Es ist schon eine Weile her. Beim Durchsehen meines Archives ist mir das Projekt wieder in die Hände gefallen. Viel Material ist nicht übrig, nachdem mir vor Jahren das Büro buschstäblich ausgeräumt wurde. Dennoch, es war ein schönes und ungewöhnliches Projekt für ungewöhnliche, sehr interessante Menschen, federführend von Marie-Luise Paproth entworfen. Die Aufgabe war einen Entwurf als Masterplan für die sukzessive Modernisierung des neuen Hofes zu erarbeiten. Da alle Arbeiten in Eigenleistung ausgeführt werden sollten, lag es schon deswegen nahe, möglichst wenig baulich zu verändern, sondern die vorhandenen Räume neu zu ordnen, umzunutzen und technisch aufzuwerten. Nicht zuletzt galt es den nötigen Respekt gegenüber dem alten Fachwerk- und Ziegelhof zu zollen. So ist ein Plan entstanden, der Wohnen, Werkstätten und in den Nebengebäuden Raum für die Landwirtschaft ermöglicht. Der Hof steht im Raum Nienburg.

 

15.000+

Neubau eines Gewächshauses zur Pflanzenproduktion. 1. Bauabschnitt 15.000 m². Zur besseren Klimasteuerung eine Doppelfolienkonstruktion. Weitere Bauabschnitte. Einbau von Werkstatt und Sozialräumen. Holländischer Sichtziegel außen und innen und Holzbalkendecken. Pflegeleicht, robust, angenehm.

HAN-6 160505 (18) 800   HAN-6 160505 (25) 800
HAN-6 160505 (10) 800   HAN-6 160505 (17) 800

Perfekt das Zusammenspiel Bauunternehmer – Bauherr – Architekt. Interessant das Genehmigungsverfahren.

 

Neubau von zwei Jahrhundertwendehäusern

Entworfen für einen Generalunternehmer: Zwei Neubauten für Wohnen und Büro oder Praxis, ideal für Freiberufler, mit ökologischen Baustoffen wie Lehmputzen, Naturfarben und stilecht mit Holz- statt Betondecken.

   ABO-4 Bebauungsplan 600

Eine Baulücke in St. Tönis. Die Aufgabe: zwei Reihenhäuser. Man hätte „das Übliche“ planen können. Doch der Vorschlag den Charakter der Jahrhundertwendehäuser zur linken, an die direkt angebaut wird, modernen, klaren Grundrissen, großen Dachterrassen und neuzeitlichem Energiestandard zu übernehmen war beim Bauträger überzeugend.

Leider lässt der Bebauungsplan von 1994 die schönen hohen Geschosshöhen der vorhandenen Jahrhundertwendehäuser nicht zu – städtebaulich nicht einzusehen. Dagegen anzugehen erscheint unwirtschaftlich und zu langwierig. So wird die Reihe schöner Altbauten nur einen halbherzigen Abschluss bekommen können. Schade, wieder eine verpasste Chance wegen mangelhafter Städteplanung. Nichts desto trotz, die Häuser werden schön und dank Lehmputzen besten Raumklima vorweisen.

ABO-4-Strassenansicht-160412 600   ABO-4-Haus-1-EG-160412 600
ABO-4-Haus-2-Seitenansicht-160412 600   ABO-4-Haus-1-OG-160412 600
ABO-4-Gartenansicht-160412 600   ABO-4-Haus-1-DG-160412 600

Für den Käufer besteht die Möglichkeit, im Rahmen des baugenehmigten Entwurfes, die Häuser den eigenen Wünschen und Bedürfnissen anzupassen.

Die Baugenehmigung ist erteilt.

Nachtrag: Das Projekt wurde eingestellt dank der mangelhaften Leistung des Immobilienmaklers und der, wie sich herausstellte, unsoliden Projektfinanzierung des Generalunternehmers. Schade.

 

Wohnen 2000 – Eine Solarsiedlung

Der Wettbewerb wurde Mitte der 1990er Jahre ausgelobt. Es waren Entwürfe gefordert, die auf zur damaligen Zeit wirtschaftlich realisierbaren Fundamenten standen. Den Entwurf hatten das Architekturbüro Olaf Paproth in Kooperation mit Dipl.Ing. Arch. Gisbert Dahmen-Wasserberg erarbeitet.

WO2 Siedlung 1000

WO2 Energiekonzept 800   WO2 Schnitt 800   WO2 Energiekonzept 2 1000

Wenn ich mir den Entwurf heute, rund 20 Jahre später, ansehe, muss ich feststellen, dass er noch immer so innovativ ist, wie zu seiner Zeit. Gelernt haben alle am Bau Beteiligten seitdem kaum etwas. Allein Wärmedämmung wird inzwischen ernst genommen und bis zum sinnfreien „Dämmwahn“ getrieben. Die andere moderne Variante ist die sinnfreie Übertechnisierung durch angeblich „intelligente“ Haustechnik.

Verstanden wurde nicht viel. Die zeitgenössische Architektur ist entweder nach wie vor banal oder oberflächlich und, vor allem, egozentrisch.

Es geht um einen ganzheitlichen Ansatz, den nicht nur Frederik Vester und Christopher Alexander populär zu machen versuchten. Gute Vorbilder gab es auch damals schon. So z.B. die Wohnanlage „Biosolarsiedlung“ in Zuffenhausen von Eble und Sambeth oder Köln „Blumenberg“ vom Architekturbüro Raimund Stewen. Eble und Stewen sind nicht zufällig beide Gründungsmitglieder des inzwischen 30 Jahren alten „Bund Architektur und Umwelt B.A.U.“.

Immer wieder stellt Peter Breidenbach, Inhaber der Firma Claytec – Baustoffe aus Lehm und auch beteiligt am Projekt „Blumenberg“, die Frage warum ein etabliertes Lehmbauunternehmen wie seins (und die der Mitbewerber), nicht längst auf Augenhöhe mit der Gipsindustrie seien. Dem einen erscheint die Frage größenwahnsinnig. Vielleicht ist das so. Aber denken Sie drüber nach. Warum ist Aldi kein Bioladen? Aldi würde alles verkaufen. Wohnen 2000 im Jahr 2016. Schaun wir mal.

Die Einfamilienhäuser
Erläuterungsbericht

 

Fachwerksanierung

CLA Fachwerkhotel Limburg 1512 (8) 600Das Bauen mit Holz und Lehm hat eine lange Tradition – und bautechnische Vorteile, die keine andere Materialkombination bietet. Vermeidlich moderne Baustoffen können beiden nicht das Wasser reichen.

Was in Mitteleuropa der Fachwerkbau ist, ist in Japan der Holzskelettbau. Auch dort gibt es eine lange Lehmbautradition. => Entwurf Japanisch Wohnen

Lehm nimmt Feuchtigkeit schneller auf als Holz. Gleichzeitig gibt Lehm die Feuchtigkeit in gleichem Maß wieder ab und hält sie fest. Daraus ergibt sich – unfachmännisch ausgedrückt – eine „konservierende“ Wirkung für das Holz.

Mehr zum Thema Lehmbau und Fachwerksanierung finden Sie hier und im Werkbericht.

 

hand made by the architekt

ASE 151108 (2) 2 600Die Aachener Künstlerin Antje Seemann nimmt sich jedes Jahr eine besondere Maßnahme zur kontinuierlichen Modernisierung ihres Wohn- und Atelierhauses vor. Es ist ein schönes, charaktervolles Jahrhundertwendehaus. Dieses Jahr wurden in der Diele zum Arbeitsgeschoss Tapeten entfernt, viele, so zutage getretene, unschöne Überraschungen beseitigt und die Treppe zum Atelier verändert. Es war zu eng, um die teils großformatigen Linoldrucke und Ölbilder ohne besonderen Aufwand aus dem Haus zu schaffen. Schließlich sind die Werke ja verkäuflich. Apropos, sie sind herzlich zum Tag des offenen Atelier eingeladen.

Lesen Sie hier zum Thema Lehm im Jahrhundertwendehaus. Der Architekt hat mal wieder selbst Hand angelegt.

 

Denkmalgeschütztes Arbeiterhaus in Norden

Vor der Modernisierung steht die Bauaufnahme, also das sorgfälltige Aufmessen und die Bauzustandsaufnahme. Die Aufgabe besteht darin das Haus in seinem ursprünglichen Charakter zu stärken und gleichzeitig den heutigen Ansprüchen an Wohnqualität und Energieeffizienz zu entsprechen. Es werden nur ökologische Materielien wie Holz, Lehm, Kalk, Naturfarben etc. zum Einsatz kommen. Die „ollen“ Kunststoffenster Fenster werden gegen neue, in alter Norder Tradition als Schiebefenster ausgebildete, Holzfenster ausgetauscht. Das Ziel ist es, dass das Haus nach der Modernisierung denkmalschützenswerter ist also vorher.

MLE Strassenansicht 600   MLE Aufmessen 600

MLE Bestand Grundrisse   MLE Bestand Ansichten

Fortsetzung folgt.