Archiv der Kategorie: Interdisziplinäre Projekte

Wasserkreis

Eine konstruktive Aufgabe für die Künstlerin Antje Seemann. Der ausgerollt etwa acht Meter lange Linolschnitt sollte kreisförmig, frei schwebend im Raum angeordnet werden. Da der „Siemenslufthaken“ meiner Lehrzeit noch immer nicht erfunden ist, mussten wir uns etwas einfallen lassen.

Die Tragkonstruktion sollte in einem normalen Kastenwagen transportabel sein, also aus Teilen zusammengesetzt werden können. Eine Hebebühne oder Hebezeug standen nicht zur Verfügung. Weiter sollten möglichst viele vorhandene, gebrauchte Teile aus der Werkstatt der Künstlerin zum Einsatz kommen, die nach der Ausstellung wieder verwendbar sind. Ja, auch Kunst hat mit Nachhaltigkeit zu tun. (Andere nennen es einfach „sparsam erzogen“. ) Die speziellen Rahmen der Bildteile wurden vom Architekten Hans-Günter Ockenfels gebaut.

Der Aufbau wurde selbst vorgenommen. Lange handwerkliche Diskussionen haben wir so vermeiden.

Für die weitere Ausstellung war es nötig, die Fenster und Glastüren „zu dimmen“. Licht sollte zwar herein kommen, aber nicht blenden. Gleichzeitig war es angebracht den Ausblick zu begrenzen, um die Atmosphäre der Ausstellung nicht zu stören.

Als Lehmbauer habe ich Lehmfarbe vorgeschlagen. Sie haftet auch auf Glasflächen und lässt sich nach Gebrauch einfach und ohne Lösemittel mit Wasser anfeuchten und abschaben oder abwaschen. Wird das sorgfälltig gemacht, kann die Farbe wiederverwendet werden. Auf ein schönes gleichmäßiges Bild kam es hier nicht an.

Datenbankprogrammierung

Was haben Datenbanken und deren Programmierung mit Architektur zu tun? Vordergründig erst einmal nichts. Hintergründig jedoch eine Menge. Der Architekt Christopher Alexander hatte hier eine prägende Rolle, die auch mich und meine Arbeit beeinflusst hat.

Seit den 1990er Jahren programmiere ich immer wieder Datenbankanwendungen für das eigene Büro als auch für andere. Begonnen hat es mit Frage warum bei der Planung eines Gebäudes unterschiedliche, heute noch kaum kompatible, Programme benutzt werden müssen. Baukonstruktion, Bauphysik, Wärmeschutz, Schallschutz, Kostenplanung, Ausschreibung, Bauzeitenplanung hatte mein Büro bearbeitet. Dazu kommen Statik und Brandschutz. Und wie steht es mit den Fragen der Nachhaltigkeit, damals des ökologischen Bauens? In jedem Programm mussten die Basisdaten neu eingegeben werden, die Bauteilaufbauten, Massenberechnungen etc..

Gleichzeitig hatte ich die Bauwelt aus der Sicht des Baustoffhandels gesehen. Hier geht es um Warenwirtschaft und CRM, Customer Relation Management. In meiner Londoner Zeit hatte ich dort, neben anderen Beratungsaufgaben, eine große Datenbank entworfen, die in der Lage ist, alle technischen, wirtschaftlichen und ökologischen Informationen eines Bauproduktes im Zusammenhang seiner Bestimmung zu verwalten. Das schließt die Warenwirtschaft und die Kundenpflege mit ein.

Mit Hilfe des Objekt orientierten Programierens funktioniert das Entwerfen von Datenbanken analog wie das Bauteil orientierte Entwerfen von Gebäuden – und umgekehrt. Christopher Alexander hat mit seiner „Pattern Language“ einen Grundstein dazu gelegt.

Wir haben damals eines der ersten Programme dieser Art für das Bauwesen entwickelt. Die damala bekannten und weniger bekannten Hersteller von CAD-Programmen für die Architektur waren an unserern Entwürfen nicht interessiert. Heute tut sich die Welt schwer mit der Implentierung von „BIM“, Building Information Management.

Das Thema ist wieder aktuell. Nachhaltiges Bauen benötigt effiziente, einfache Werkzeuge. Aktuell arbeite ich im Rahmen meiner Tätigkeit beim gemeinnützigen Verein altbau plus e.V. an einer Weiterentwicklung in Bezug auf Nachhaltigkeitskriterien.

Das Bad der Künstlerin

Es ist pünktlich fertig und zu sehen beim diesjährigen, 4. Offenen Atelier der Künstlerin: ein kleines, feines Bad. Im Keller gab es noch ein Fundus von farbigen Fliesen. Es sind die Reste des Familienbades im 2. OG und sollten verwertet werden. Antje Seemann hat 1:1 Entwürfe für jede farbige Fläche ausgelegt und jede einzelne Platte durchnummeriert. Nichts ist hier Zufällig. Gemeinsam haben wir damit exakte Fliesenpläne per CAD gezeichnet. Der Spiegel ist auf Lehmputz geklebt.

  
  

Das Bad ist Bestandteil eines Appartements in dem Jahrhundertwendehaus. Auch das Zimmer, der Flur und die Küche sind komplett modernisiert und neu mit Lehmputz aufgewertet. Der Lehmputz sorgt für guten Feuchteausgleich und eine angenehme Atmosphäre.

Hier auch das „Seerosenzimmer“ mit großformtigen Linoldrucken in schwarz-weiß und als farbige Mehrplattendrucke.

Das Apartement kann ab 2019 gemietet werden.

Planung: Antje Seemann, Olaf Paproth
Lehmputzarbeiten: Olaf Paproth
Anstricharbeiten: Antje Seeman