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Modernisierung eines 60er-Jahre Hauses – Teil 2

Außen fast fertig, von innen schon bewohnt. Hier vorher-nacher-Bilder:

  

Wie schon gesagt, war der ursprüngliche Wunsch eigentlich ein Haus im Bauhaus-Stil.

  

Der nun das Haus prägende, in das Obergeschoss eingeschobene Cubus besteht tatsächlich aus zwei Gauben und einem daran angehängten, freitragenden Anbau über der Garage. Holzbau macht es möglich.

  

 

Bauen im Bestand geht auch in Holz

Das Wohnhaus eines Zimmermanns sollte ein Holzhaus sein. Das Grundstück hier ist ein innerstädtisches in einer gewachsenen Struktur. An drei Seiten muss an die Grundstücksgrenze gebaut werden. Entsprechen hoch sind die Anforderungen des Brandschutz. Üblicherweise werden Brandwände in Mauwerk ausgeführt. Hier jedoch wurde die komplette Konstruktion in Holzständerbau ausgeführt.

Architektonisch sollte sich das neue Haus in den vorhandenen Städtebau einpassen und gleichzeitig als Holzhaus erkennbar sein.

  
  

Links die Baulücke, rechts das neue Haus mit Holzfassade

 

Massivbau in Holz

Es ist zwar schon eine Weile her, dass wir dieses und ein weiteres Einfamilienhaus auf zwei nebeneinander liegenden Bauplätzen, gleichzeitig geplant und realisiert haben. Der Holzmassivbau – hier „KLH – Kreuzlagenholz“ –  ist aktueller denn je.

 

Das Planen mit den verleimten Holz-Wand- und -Deckentafeln ist einfach. Die Elemente werden im Werk gefertigt und sind schnell auf der Baustelle aufgebaut. Das trockene Bauen ist besonders im Winter für die Folgegewerke eine Freude, denn die beißende Feuchte des Mauerwerks- und Betonbaus weicht schon im Rohbau der Behaglichkeit des Holzes. Ein Rohbau in dieser Art bietet eine gute Basis für vielfache Eigenleistung.

Kombiniert mit Holzfaserdämmung sind beste Wärmedämmwerte üblich. Die Massivität bringt Schallschutz. Innenseitig bieten sich Lehmbauplatten oder moderne Lehmdünnlagenputze auf Holzfaserplatten an. Hier beispielhaft ein Haus einer Wohnhausgruppe. Wie gesagt, zwei davon wurden in dieser Bausweise erstellt.

   
   

Praktisch für die Nutzer eines Massivholz-„Plattenbaus“: Auch wenn es nicht jeden Tag vorkommt, schwere Gegenstände wie z.B. Küchenschränke oder große Kunstwerke lassen sich einfach mittels Holzschrauben ohne Bohren und Dübeln befestigen.

 

Eine Garage mit Solaranlage

Eine Anekdote aus dem Alltag:

Großes Grundstück, freistehendes Einfamilienhaus (ehemaliges Landarbeiter Haus), freistehende Doppelgarage. Beide Gebäude mit zur Straße giebelständigem Satteldach gleicher Neigung und Deckung. Die Garage ein Neubau, das Haus Bestand. Der Bauantrag seit einigen Wochen eingereicht.

Beim Ortstermin der Herr vom Bauordnungsamt: „Die Garage ist zu groß. Das geht so nicht.“ Architekt: „Wieso, sie ist doch nur 6 x 9 m groß, wie üblich?“ Antwort: „Das Satteldach geht nicht.“ Bauherr: „Auf welcher Grundlage basiert diese Entscheidung?“ Antwort: „Das hat die Baukonferenz entschieden.“ Bauherr: „Verstanden, aber auf welcher Grundlage hat die Konferenz entschieden?“ Antwort: „Das kann ich Ihnen nicht sagen. Es gibt keine. Aber so, wie beantragt, geht es nicht. Denken Sie sich etwas aus.“

Der Architekt hat darauf hin 13 DIN A2 Pläne angefertigt, um den Entwurf mit Satteldach zu begründen. Einige Wochen später erklärte der Herr vom Bauordnungsamt bei einem Telefonat: „Gegen die neuen Gauben im Dach des Hauses können wird nichts machen (ein zweites Thema). Gegen das Satteldach auf der Garage können wir auch nichts machen.“ Man achte auf die Wortwahl! Dennoch: Klasse! Sieg! Aber warten wir ab, bis der schriftliche Bescheid kommt.

  

Und übrigens, gemäß der Honorarordnung HOAI, an die Architekten ja gesetzlich gebunden sind, wird dieser Mehraufwand nicht honoriert. Nun könnte man sagen, halte Dich doch einfach an die Regeln. Ja, genau das haben Architekt und Bauherr ja nun von Vorne herein getan, denn es geht immer noch um Architektur und nicht nur um „Häuserbauen“ oder Schuhkartons – auch bei einem an sich so banalen Bauvorhaben.

 

Wohnen im Sonnengarten

Der Entwurf einer Verdichtung aus dem Jahr 2005 für einem sehr großen Blockinnenbereich hatte seine Tücken. Die südlichen Anwohner torpedierten den an mich herangetragenen Wunsch der nördlichen, ihre Grundstücke bebaubar und so verkaufbar zu machen. Die Grundstücke hatten immerhin Größen von rund 1.800 m² – groß genug für eine Teilung. Das Grundstück zur Erschließung wurde seit Jahren von der Stadt vorgehalten. Dabei war die vorgeschlagene Lösung so einfach: im Süden Gärten, im Norden maßvolle Bebauung mit Solarhäusern. In diesem Fall hielt ich das für besser als weitere Landschaft mit Einfamilienhäusern zu zerstören.

Der Plan ist genordet.

Die Entwurfsidee waren lange, schmale Häuser, deren Längsseite zur Sonne orientiert ist und deren Dachflächen komplett für Solarenergie ausgegelegt werden. Im Erdgeschoss sollten sich auf der einen Seite die üblichen Garagen befinden. Auf der anderen Hausseite sollten sich die Erdgeschosse bis zur Grundstückgrenze erweitern (hellgrau dargestellt).

Schmale, giebelständige Häuser vs. traufständige Doppelhaushälften

Die öffentliche Erschließung sollte nach landschaftsökologischen Maßstäben gestaltet werden, mit offener Regenentwässerung als „Bach“ für die Kinder in Gummistiefeln. Auch die Lage und Wahl der im Entwurf dargestellten Bäume sind kein Zufall. So sollte um den zentralen Baum im „T“ der Zuwegung eine ringförmige Bank stehen. Es braucht nicht viel, um aus einer Freifläche Außemraum zu schaffen für Nachbarschaft. Verwirklicht wurde dies nicht.

Beauungsplan und gebautes Resultat nach 15 Jahren:

 

 

Was ist für einen Bauantrag notwendig?

In dem Fall sind es schnell einmal 50 bis 70 Mal mit dem Architektenkammerstempel zu stempeln und ebenso viele Unterschriften zu leisten.

Aber zurück zur Frage. Die Antwort auf diese Frage hängt vom Bauvorhaben ab. Bleiben wir hier beim privaten Wohnbau. Für die Änderung oder den Neubau eines Einfamilienhauses sind in der Regel die folgenden Unterlagen mindestens nötig:

  • amtlicher Lageplan (durch einen öffentlich bestellten Vermessungsingenieur)
  • Berechnung des Maßes der baulichen Nutzung (durch öffentlich bestellten Vermessungsingenieur)
  • begalubigter Auszug aus der Liegenschaftskarte (bei Vorhaben gemäß § 34 und 35 Baugesetzbuch *) )
  • Auszug aus der Deutschen Grundkarte (bei Vorhaben gemäß § 34 und 35 Baugesetzbuch *) )
  • Bauzeichnungen im Maßstab 1:100 (durch einen bauvorlageberechtigten Entwurfsverfasser = Architekten)
  • Baubeschreibung (dito)
  • Berechnung des umbauten Raumes (dito)
  • Erhebungsbogen für die Baustatistik (durch den Bauherren, tatsächlich durch den Architekten)

*) Vereinfacht gesagt: „Dann, wenn es keinen Bebauungsplan für das Planungsgrundstück gibt.“

Da zur Genehmigung des Bauvorhabens die Erschließung, d.h. die Ver- und Entsorgung mit Strom, Wasser, ggf. Gas, Telekom, gesichert sein muss, sind auch hier Anträge zu stellen. Dies geschieht durch Fachingenieure (Entwässerung) und den Bauherrn (mit Unterstützung durch den Architekten).

Spätestens bis Baubeginn kommen hinzu:

  • Nachweis der Standsicherheit (durch einen Tragwegsplaner, Statiker)
  • Nachweis des Wärmeschutzes (durch einen Sachverständigen für Wärmeschutz)

Das alles gilt unter anderem auch, wenn es sich nur um den Anbau eines einzelnen Raumes handelt oder die Änderung eines Speichers in Wohnräume, also bei einer Nutzungsänderung.

Dazu kommen häufig, auch bei sorgfältigster Arbeit, Nachforderungen der beteiligten Ämter oder, teils aufwändige, Erläuterungen des Entwurfs. Ein Schelm, der Böses dabei denkt.

Eine Anekdote aus dem Alltag: Neubau einer Doppelgarage mit Solaranlage

 

Warum Holzbau?

Nun, da gibt es viele gute Gründe. Lassen Sie mich hier einen, wie ich meine, überzeugenden nennen: Der Holzbau ist trockenes Bauen, auch im Winter. Schauen Sie sich das Bild des Rohbaus aus Kalksandsteinwänden aus dem Dezember an. Man kann gut die starke Durchfeuchtung erkennen. Das gilt besonders für die linke Wetterseite.

  

Kalksandstein ist ein ohne weiteres gutes Material, aber es nimmt bei entsprechend schlechtem Wetter einiges an Wasser auf. In der Regel wird auf das nasse Mauerwerk außen eine Wärmedämmung aus Schaumkunststoffen oder Mineralwollen aufgebracht anstatt auf. Diese werden dann verputzt oder verklinkert. Von innen erfolgt ein Gipsputz. So ist die Feuchtigkeit des Rohbaus perfekt „eingefangen“. Auf gutes Wetter zu warten bzw. auf wieder ausgetrocknetes Mauerwerk ist nur im Sommer möglich. Das ist zwar nicht immer ein Problem, aber wesentlich häufiger als darüber geredet wird. Eine Folge ist die Schimmelanfälligkeit in den ersten zwei Jahren des Neubaus. Eine andere ist die reduzierte Wirkung der so auch durchfeuchteten Wärmedämmung. Die Energieeinsparung und CO²-Reduktion entspricht nicht der Planung und Genehmigung – eine wenig beachtete Tatsache.

  

Der Holzbau in seinen Varianten ist trocken. Auch bei schlechtem Wetter nehmen diese Konstruktionen weniger Wasser auf als Kalksandstein oder Porenbeton, um zwei Beispiele zu nennen. Diffusionsoffenere Baukonstruktionen als die üblichen, oben genannten trocknen im Fall schneller aus. Schimmel ist kaum möglich, die geplanten Wärmedämmwerte werden von Beginn an erreicht.

  

Bei den heute üblichen Dicken der Wärmedämmungen kann man die Frage stellen ob der Massivbau in Form des klassischen, zweischaligen Maurwerks zeitgemäß ist. Ich bevorzuge entweder vorgefertigte Holzständerkonstruktionen, die komplett mit Wärmedämmung und Fassade auf die Baustelle geliefert und sofort wasserdicht montiert werden (im Bild links sind die Wandelemente noch nicht gedämmt), oder den Steko-Holzmassivbau (mittlere Bildreihe) oder, wenn es Mauerwerk sein soll, gut dämmende porosierte Ziegel mit einschaligen Aufbauten. Ein durchschnittliches Einfamilienhaus kann in Holz innerhalb von einer Woche wetterfest aufgebaut werden. Der Mauerwerksbau mit Betondecken benötigt hierfür einige Wochen.

 

Drei Innenwände

Zur Werkplanung gehört bei mir auch immer ein Bauteilekatalog. Hier werden die Schichtaufbauten bzw. deren Varianten definiert. Darauf basieren die Ausführungspläne und die Kostensteuerung. Bei jedem Projekt gibt es andere Bedingungen. Daher funktioneren „fotokopierte Bauteile“ oder „das machen wir immerso“ selten. Maßschneidern macht die Freunde am Architektenhandwerk aus. Hier zum Beispiel drei Innenwände mit Lehmbaustoffen eines Modernisierungsprojektes:

Altbauwand

Trockenbau für Neubau und Modernisierung

Ständerwand, Leichtlehm, analog zum Fachwerkbau

Mir sind Claytec-Produkte gut bekannt. Sie werden in meiner Nachbarschaft hergestellt (Thema regionale Baustoffe). Es gibt aber natürlich auch andere gute Lehmbauprodukte.

 

Energiesparendes Bauen…

… beginnt bei der Beachtung der Himmelsrichtung und der entsprechenden Sonnenstände. Ein Sonnenstandsdiagramm kann hier entscheidende Eckpfeiler für den Entwurf des Baukörpers geben. Es geht um Wärme und Licht. So wird ein vermeintlich „simpler Anbau“ zu Architektur. Im Beispiel hier wird die Wohnraumerweiterung das bisherige Wohn-Esszimmer verdunkeln. Die Aufgabe ist dies möglichst weit zu reduzieren. Die Zeichnungen sprechen für sich.

  

   

Wenn die Bauform gewählt ist, stellt sich als nächstes die Frage nach der Einfachheit der Konstruktion, um die Kosten im Rahmen zu halten. Kann mit vorgefertigten Wand- und Dachelementen gearbeitet werden? Der Anbau befindet sich hinter dem Haus. Wie kommen sie dahin? Mauerwerk verursacht mehr Baudreck im Garten als eine Holzkonstruktion. Sind Steko-Holzmodule überzeugend? Kann die Außentüre an der Giebelwand angeordnet werden? Dann würde die Schrägverglasung deutlich günstiger?

Bei aller Freude an der Sonne darf der sommerliche Wärmeschutz nicht vergessen werden. Es wird auch die Frage beantwortet werden, wie die hier gewonnen Sonnenwärme dem dahinter liegenden Haus zu Gute kommen kann.

Es sind nicht nur die großen Projekte interessant. Auch „Kleinkram“ will ernst genommen und sorgfälltig bedacht werden. „Kleine feine Räume“ nenne ich das.